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Informationen zu Lebensumständen armer Kinder in Dortmund und dazu, wer ihnen wie hilft.
Recherchiert und zusammengestellt vom evangelischen Religionskurs 9c/d des Bert-Brecht-Gymnasiums in Dortmund-Kirchlinde
Die kleine Melanie wartet schon sehnsüchtig vor der Tür der Spiel- und Lernstube in Lütgendortmund. Sie ist am frühen Morgen allein gekommen und möchte endlich in die schönen Räume ihrer „Kita“. Diese Einrichtung ist für 2 –15 jährige Kinder, deren Eltern in Notlage geraten sind und in der letzten Stadtsiedlung für Obdachlose
- Grevendicksfeld - in Dortmund leben.
Für Melanie bietet die Spiel- und Lernstube eine Möglichkeit, gesundes Essen, vernünftige Spiele und viele Regeln des Alltags kennen zu lernen und zu versuchen, den Absprung in ein normales Leben zu schaffen.
Kinder wie Melanie sind es, mit deren Lebensverhältnissen wir uns in den letzten Wochen beschäftigt haben und deren Lebenssituation wir mit dieser Infobroschüre näher beleuchten möchten:
Jedes zehnte Kind in Deutschland lebt heute in relativer Armut – das sind rund 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren insgesamt. Als arm gilt ein Kind genau dann, wenn seine Familie über weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens verfügt, zurzeit beträgt dieses etwa 1300 € Netto im Monat. Allerdings sollte man bei dieser (recht hohen) Zahl berücksichtigen, dass Strom, Miete, Wasser und Lebensmittel davon bezahlt werden müssen, sodass nur noch ein Bruchteil dessen zum Leben übrig bleibt. Die meisten Gründe für Kinderarmut sind Arbeitslosigkeit und schwerwiegende Probleme der Eltern, wie zum Beispiel Alkohol- oder Drogenabhängigkeit. Anzusehen ist den meisten Kindern jedoch nicht, dass sie „arm“ sind, häufig wird versucht nach außen hin einen „normalen“ Eindruck aufrecht zu erhalten. Die Eltern wollen ihren Kindern nicht bewusst schaden, sie tun es häufig unbewusst durch Unwissenheit, weil sie schon nicht wissen, wie sie ihr eigenes Leben regeln sollen. Dies erfuhren wir durch eine unserer vielen Informationsquellen.

Wir, die evangelischen Schüler der Klassen 9c und 9d vom Bert-Brecht-Gymnasium in Dortmund-Kirchlinde haben uns über mehrere Wochen intensiv mit dem Thema Kinderarmut in Dortmund beschäftigt, um an einem Schülerwettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung teilzunehmen. So waren drei Schüler zwei Tage lang bei der Dortmunder Tafel zu Besuch, zwei andere waren einen Nachmittag lang in der Spiel- und Lernstube Grevendicksfeld, einer Kindertageseinrichtung für die Kinder der Bewohner der letzten Dortmunder Obdachlosensiedlung und einen weiteren Nachmittag besuchten wir alle zusammen eine Ausstellung in der Reinoldikirche zum Thema: „Arm mitten in Dortmund“. Außerdem haben uns eine Dortmunder Pfarrerin, eine Kindergärtnerin und eine Abgeordnete der Grünen bei unserem Projekt unterstützt.
Unser erstes Interview führten wir mit einer ehemaligen Erzieherin, Stefanie Ugoh, die zunächst in einer Spiel- und Lernstube und später in einem Heim gearbeitet hat und sich bis heute aktiv - mittlerweile ehrenamtlich - mit „armen Kindern“ beschäftigt. Wir luden sie in unseren Religionsunterricht ein und sie berichtete uns von ihrer Tätigkeit. Besonders über die Obdachlosensiedlung haben wir einige sehr aufschlussreiche Informationen bekommen, die uns bisher fremd waren.
So wurde uns berichtet, dass gerade in den dort lebenden Familien besonders Drogenkonsum und Gewalt zur Vernachlässigung der Kinder führen. In einigen Fällen sind die Eltern sogar so entnervt, dass es mehrmals schon zu gewalttätigen Übergriffen auf die Kinder gekommen ist.
Schlimmer
aber ist die mangelnde
Förderung: Viele
Kinder dort können mit drei Jahren weder
richtig laufen noch sprechen, weil sie in
dieser Hinsicht von ihren Eltern nicht
gefördert werden; stattdessen sitzen sie
stundenlang vor dem Fernseher oder
werden nur mit dem Buggy durch die
Gegend gefahren. Die Aufgabe der Spiel-
und Lernstube, in die die Kinder dann
gehen und deren Besuch den Familien von
den Ämtern quasi auferlegt wird, ist es,
den Kindern ihr eigenes (verlorenes)
Körpergefühl zurückzugeben, ihnen
Hygiene beizubringen und sie „zurück“ ins
Leben zu führen - und dazu gehört auch,
Respekt gegenüber anderen Personen zu
Wahren und Distanz zu schaffen. Ähnliche
Ziele werden auch in Heimen angestrebt,
in denen Kinder und Jugendliche leben können, wenn das Zusammenleben mit den Eltern gar nicht mehr funktioniert oder untragbar ist. Auch darüber informierte uns Stefanie Ugoh. Ein im Heim lebendes Kind ist nicht arm, was die materielle Versorgung angeht, denn es bekommt ein angemessenes Taschengeld und Geld für Kleidung und andere Dinge des täglichen Bedarfs. Arm sind die Kinder eher, was ihre Fähigkeit zu Bindungen angeht, ihre Möglichkeiten, sich anzustrengen, sich zu engagieren und einen geregelten Tagesablauf mit z.B. regelmäßigem Schulbesuch durchzuhalten. Bei all diesen Problemen werden sie von den Erziehern und Erzieherinnen im Heim unterstützt. Und obwohl irgendwann der Punkt kommt, an dem die (inzwischen fast erwachsenen) Jugendlichen aus dem Heim ausziehen und lernen müssen, ihr Leben selbst zu organisieren, bricht der Kontakt untereinander im Normalfall nie ab, sodass sie in den Erziehern immer einen Ansprechpartner bei Problemen und Sorgen haben, und auch Frau Ugoh hat bis heute Kontakt zu vielen ihrer ehemaligen Schützlinge. Leider gelingt es nur wenigen dieser Kinder und Jugendlichen, sich ganz aus ihrem Umfeld, welches durch Arbeitslosigkeit und Suchtgefährdung geprägt ist, zu lösen und ganz neue Wege zu beschreiten. Doch jeder Jugendliche, dem das gelingt, aber auch jeder Liebesbeweis und jede zutrauliche Geste ist Lohn für die doch sehr nervenaufreibende und belastende Arbeit der Mitarbeiter.
Ein weiteres Interview führten wir
mit der Lütgendortmunder Pfarrerin,
Frau Wirsching, deren Gemeinde Träger der Spiel- und Lernstube Grevendicksfeld
ist. Sie konnte uns von ähnlichen
Erfahrungen berichten wie Frau Ugoh, jedoch erzählte sie besonders von der Obdachlosenarbeit und wie die Stadt versucht, „armen“ Menschen die Möglichkeit zu geben, ein möglichst sorgenfreies und „normales“ Leben zu führen, denn oftmals liegt es an Drogen- bzw. Alkoholsucht, dass die Eltern ihre Kinder
vernachlässigen und so nicht über genügend finanzielle Mittel verfügen. Diese Menschen können meist nicht mehr in einem „normalen“ Wohnumfeld leben. Deshalb gibt es in Lütgendortmund die letzte Obdachlosensiedlung Dortmunds, Grevendicksfeld. Dort wird obdachlosen Familien mit Kindern Unterschlupf gewährt, solange sie nicht in der Lage sind, selbst für ihr Leben verantwortlich zu sein. Allerdings kommen – so meinte es die Interviewte – nur ein sehr kleiner Teil aller Familien, die einmal in dieser Stadtsiedlung eingezogen sind, wieder auf den rechten Weg und ziehen aus. Damit zumindest die Kinder der Familien für uns alltägliche Dinge kennen lernen, gibt es die von uns schon vorgestellte Einrichtung „Spiel- und Lernstube Grevendicksfeld“ der evangelischen Kirchengemeinde Lütgendortmund, in der nur Kinder aus sozial schwachen Familien, besonders aus Grevendicksfeld, aufgenommen werden.
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Zwei Schülerinnen aus unserem Religionskurs besuchten diese Einrichtung einen Vormittag lang und verschafften sich einen Eindruck über die Probleme und Sorgen der Kinder und Erzieher: (Leider durften wir aufgrund der Anonymität keine Fotos von den Kindern machen, wir haben aber versucht, unseren Bericht so anschaulich wie möglich zu gestalten.)
„Die Kindertagesstätte (Kindergarten und Hort) in Lütgendortmund ist eine von Spenden finanzierte Einrichtung, in der Kinder im Alter von 2 Jahren bis maximal 15 Jahren von morgens 8 Uhr bis Nachmittags (15:30 Uhr) betreut werden können.
Wir besuchten die Kinder schon am frühen Morgen und schauten ihnen beim Frühstücken und Spielen, aber auch beim Lernen und Schlafen über die Schulter. Leider mussten wir auch mit ansehen, wie vernachlässigt einige der Mädchen und Jungen sind, teilweise haben sie mit gerade einmal 5 Jahren keine Zähne mehr , sodass sie ihr Brot nur noch „lutschen“ können. Oftmals liegt die Vernachlässigung daran, dass die Eltern selbst starke Probleme haben und somit nicht mehr richtig für ihr Kind sorgen können. Außerdem können Arztbesuche, die gerade bei kleinen Kindern Pflicht sind, nicht eingehalten werden, da die Eltern jegliche Lebensroutine verloren haben. Deshalb bekommen sie die Möglichkeit, in Grevendicksfeld einzuziehen und ihre noch jungen Kinder in die Spiel- und Lernstube zu schicken. Die Aufgabe der Erzieher/innen besteht darin, die Tochter oder den Sohn dieser Eltern richtig zu ernähren, den Kindern den Umgang mit anderen Kindern und teilweise sogar das Sprechen beizubringen.
Doch in sehr schwierigen Fällen, wie z.B. dem zweijährigen Brahil, reichen die schon umfangreichen Maßnahmen nicht aus. Der Junge beherrschte weder seine Muttersprache türkisch, noch die deutsche Sprache. Deshalb fuhren zwei Erzieher mit ihm in eine Sprachschule, wo ihn zunächst Ärzte untersuchten und dann versuchten, ihm auf schnellstem Wege das Sprechen beizubringen. Außerdem erledigen die Erzieher die Arztbesuche, die ein Kind schon als Baby dringend nötig hatte, wozu die Eltern aber, wie schon erwähnt, nicht in der Lage waren.
Unerwartet kam bei unserem Besuch noch jemand anderes in die Kindertagesstätte, der uns alle sehr überraschte. Ein 16 jähriges Mädchen, das vor 3 Jahren aus Grevendicksfeld auszog und mit seinen Eltern und seinem Bruder nun in einer Wohnung außerhalb von Lütgendortmund wohnt, berichtete uns von seinen beeindruckenden Schulerlebnissen und Erfolgen. Als sie erzähle, dass sie nun auf ein Gymnasium in die 10.Klasse geht und eine der besten Schülerinnen in ihrer Stufe ist, malte sich in den Gesichtern der zwei Erzieherinnen ein breites, glückliches Lächeln ab und wir sahen, wie stolz ihre Augen glänzten.
Wie eine der Erzieherinnen, Martina W., uns nachher erklärte, ist so ein Moment ein unbeschreibliches Gefühl, das alle Menschen, die im Obdachlosenviertel arbeiten, „am Leben" erhält. Denn die harte Arbeit, die die Erzieher/innen und die Helfer der Diakonie täglich leisten, kann auch einen in normalen Verhältnissen lebenden Menschen psychisch sehr stark belasten.
Die meisten in Grevendicksfeld lebenden Kinder erleben auch ihre allererste Urlaubsfahrt mit ihren Betreuern. Sie unternehmen zweiwöchige
Fahrten innerhalb Deutschlands und sollen so das
erste Mal ein Gefühl dafür bekommen, wie es ist,
woanders zu sein, anderes Essen zu bekommen,
andere Sitten kennen zu lernen und ein anderes
Umfeld zu haben. Teilweise ist es sogar so, dass
sich die Kinder weigern, nach einem Ausflug nach
Hause zurückzukehren und den „Luxus“ vermissen,
täglich eine warme Mahlzeit zu bekommen und kleine
Ausflüge zu machen. Darum bemühen sich alle
Betreuer und Betreuerinnen aus Grevendicksfeld, den
„Kleinen“, wie sie vor Ort genannt werden, den Tag
mit Exkursionen in den Zoo oder ins Schwimmbad zu
versüßen. Wenn die Kinder älter werden, gehen sie
wie andere Kinder „ganz normal“ in die Grundschule
oder den Vorschulkindergarten und wechseln nach
den im Normalfall vier Grundschuljahren auf die
weiterführende Schule, die zu dem jeweiligen Kind
passt. In seltenen Fällen besuchen Mädchen und
Jungen aus Grevendicksfeld auch Gymnasien, aller-
dings kommt das nicht oft vor. Mit traurigen Blicken
erzählte Martina W., dass es manchmal auch dazu
kommt, dass Kinder, deren Eltern schon im
Obdachlosenviertel gelebt haben, nach dem
Schulabschluss (oder abgebrochener Schule) wieder
zurückkehren, da sie den Absprung in ein normales
Berufsleben nicht geschafft haben und ihr einziger
Zufluchtsort das Obdachlosenviertel bleibt. Doch an
erster Stelle ist die Spiel- und Lernstube in Lütgendortmund dazu da, dass die Kinder Spaß haben, die Erzieherinnen wollen mit ihnen Mittag essen, spielen, die Kinder sollen toben, malen, Schulvorbereitungen machen, mit Puppen spielen und natürlich viel lachen!
Unser Interview mit der kleinen Maja zeigte deutlich, wie glücklich und freudig das 4- jährige Mädchen ist und ganz spontan spielte mit sie uns und ihren Freundinnen eine Runde Memory.
Um 10 Uhr machten alle Kinder einen kleinen Mittagsschlaf auf dem Dachboden des Mehrfamilienhauses, das erst später zur Kindertagesstätte umfunktioniert wurde. Kleine Matratzen werden von einer Betreuerin auf dem Boden verteilt, Kissen und Decken dazugelegt und dann ist es soweit … ohne viel Gekicher schlafen die Kinder ein.

Als wir am 18.10.06 zu der Ausstellung „Arm mitten in Dortmund“ fuhren, waren alle sehr gespannt, was uns erwarten würde und als wir die Kirche betraten, waren wir alle überrascht, wie freundlich man sich uns gegenüber verhielt und wie gerne die Menschen, die tagtäglich mit Armen arbeiten, uns Auskünfte geben wollten.
Nach der Begrüßung und einer kurzen Einweisung unserer Lehrerin gingen wir gespannt durch die Kirche, in der viele Kunstwerke von jüngeren Kindern ausgestellt waren.
Es waren Zeichnungen zu sehen, die ein „armes und ein reiches Herz“ darstellen sollten. Außerdem wurde ein Film über Armut in Dortmund gezeigt und es wurde eine „Second Hand“ - Modenschau vorbereitet.
Zunächst fiel es uns schwer, die Leute anzusprechen, doch sie waren sehr offen, sodass sich nach einiger Zeit mehrere Gesprächsgruppen bildeten.
Während wir uns in der Reinoldikirche die Ausstellung zum Thema „Arm mitten in Dortmund“ ansahen, lernten wir eine Abgeordnete der Grünen, Birgit Unger, kennen. Auch sie war bereit, uns trotz großen Zeitdrucks ein Interview zu geben, und so können wir Auszüge aus ihren Äußerungen in diesen Bericht einbeziehen:
- Woran kann man erkennen, dass ein Kind „arm“ ist?
- Frau Unger: Das kann man sicherlich daran erkennen, dass die Kinder nicht immer die neuste Kleidung tragen, sondern oft auch Second Hand - und minderwertige Ware. Auch für sonstige Ausrüstungen, wie zum Beispiel Stifte für die Schule oder Körperpflegeprodukte sowie gesunde Ernährung ist oft kein Geld da. Leider werden diese Kinder oftmals zu Außenseitern und werden von anderen Gleichaltrigen abgestoßen.
- Kann man sagen, dass die Armut in manchen Gebieten Dortmunds größer ist als in anderen?
- Frau Unger: Das kann man ganz bestimmt sagen. Ein Beispiel dafür wäre die Nordstadt. Durch den hohen Ausländeranteil und die wenigen Arbeitsplätze kommt es dort sehr extrem zu Arbeitslosigkeit – und somit müssen auch die Kinder in Armut aufwachsen […]. Im Großen und Ganzen kann man also schon sagen, dass die Umgebung eine sehr wichtige Rolle in der Entwicklung der Armut spielt.
- Welche sind die Hauptgründe dafür, dass Kinder in Armut aufwachsen?
- Frau Unger: Gerade in diesen Tagen muss man leider sagen, dass durch den zunehmenden Arbeitsplatzabbau immer mehr Kinder unter dem „Sparen-Müssen“ der Eltern leiden. Aber auch Alkohol- und Drogenmissbrauch sind ein Hauptgrund, warum Familienmitglieder keinen Job bekommen und deshalb Familien Sozialhilfe empfangen.
- Welche Einrichtungen gibt es in Dortmund, die Obdachlosen helfen?
- Frau Unger: Da gibt es erstmal die Dortmunder Tafel, wo Obdachlose für ein paar Euro gute Lebensmittel bekommen können [später folgt noch ein Bericht über die Tafel]. Und dann gibt es auch viele Zufluchtsorte für Kinder, die mit ihren Familien nicht mehr klarkommen, wie zum Beispiel die bereits genannte Spiel- und Lernstube Grevendicksfeld in Lütgendortmund. Aber eigentlich kann man sagen, dass Jugendliche und Kinder, die Probleme haben, überall Hilfe finden können, wenn sie sich jemandem anvertrauen. Auch das Jugendamt bietet genügend Programme an.
- Und wie sieht die Politik das Problem mit der Armut? Unternimmt sie auch etwas dagegen?
- Frau Unger: Natürlich ist es auch nicht an der Politik vorbeigegangen, dass gerade seit Hartz IV immer mehr Kinder „auf der Straße“ leben. Aber ich denke, wir haben mit dem Elterngeld, das in Kürze folgen soll, schon einen sehr wichtigen Schritt gegen die Kinderarmut getan.
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Wie oben schon erwähnt, haben drei Schüler unseres Kurses zwei Tage lang aktiv bei der Dortmunder Tafel mitgewirkt und versuchten so, einen Eindruck von den Geschehnissen und den Leuten, die dort „einkaufen“, zu bekommen. In diesem Bericht schildern sie ihre Eindrücke und geben allgemeine Informationen über
die Tafel.
„Die Tafel ist eine Essens- sowie Lebensmittel-
ausgabe für Hartz IV- und Sozialhilfeempfänger.
Diese gehen dort mit verschiedenfarbigen Körben,
welche zeigen sollen, für wie viel sie einkaufen, ein
Buffet entlang. Sie erhalten dann von den Mitarbeitern
je nach Korbfarbe verschieden viele Molkereiprodukte,
Gemüse, Obst, Brot/Brötchen, Kuchen und
Alltagssachen wie Toilettenpapier oder Getränke.
Für diesen voll gepackten Korb bezahlen sie 2 €.
Die ehrenamtlichen, fest angestellten, als 1-€-Jobber
arbeitenden und Sozialstunden abbauenden Mitarbeiter
arbeiten in sechs Bereichen: Pforte, Büro, Küche, Fahrdienst, Lager und Laden. Der Fahrdienst holt die Produkte von Bäckereien und Supermärkten wie EDEKA, Lidl, REWE, oder Walmart ab; die Mitarbeiter im Lager sortieren es und im Laden wird es dann verkauft. Die Supermärkte spenden der Tafel Lebensmittel, auf denen steht, dass sie eigentlich schon abgelaufen sind, die Beulen in der Verpackung haben und Alles, was die Leute einfach nicht mehr haben wollen.
Manchen Kunden der Tafel sieht man an, dass sie arm sind, anderen jedoch nicht.
Doch die Meisten sind freundlich, weil sie froh sind, dass es diese Einrichtung in ganz Deutschland gibt. Manche andere Leute leiden jedoch sehr unter ihrer Armut: Eine Frau war nicht gerade freundlich und hat uns vorgeworfen, wir würden sie bedrängen und sagte, dass sie sich beeilen will, weil sie ja die Letzte sei. Ihr Sohn habe fast den ganzen Tag nichts gegessen und dann müsse sie wohl oder übel nehmen, was übrig geblieben ist.
Die Arbeitseinteilung wird eine Stunde vor dem Verkauf bekannt gegeben und der Auftrag im Laden ist klar: immer schön freundlich sein, egal, was die Kunden zu einem sagen. Es ist manchmal wirklich erstaunlich, dass manche Leute so eine positive Einstellung haben, obwohl sie so arm sind. Ein Mann zum Beispiel hat 11 Kinder und war trotzdem sehr freundlich zu uns, obwohl er mit (in diesem Fall) 2 voll gepackten Körben seine ganze Familie versorgen muss. Auch die Mitarbeiter sind sehr nett und freundlich. Bei ihnen hat man schon fast den Eindruck, sie seien eine große Familie, da sich alle kennen und alle froh sind, dass sie mit dieser Organisation anderen Menschen helfen können (bezogen auf die ehrenamtlichen Mitarbeiter), oder ihnen selbst geholfen wird (bezogen auf die 1-€-Jobber). Sie essen zusammen (das wird den Mitarbeitern mittags angeboten), sie arbeiten zusammen, sie helfen zusammen und freuen sich deshalb zusammen.
Im Großen und Ganzen hatten wir viel Spaß als Mitarbeiten der Dortmunder Tafel und haben sehr viel an Erfahrungen mitgenommen.
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Uns hat das Projekt und auch die damit verbundene Arbeit sehr viel Spaß gemacht und wir würden jederzeit erneut an einem solchen Projekt teilnehmen. Aus all unseren Aktivitäten und Unternehmungen haben wir viel Neues gelernt und sind dankbar, dass es uns ermöglicht wurde, einen Einblick in das Leben „hinter den Kulissen“ zu bekommen.
„Durch unser Projekt haben wir viele neue Aspekte im Zusammenhang mit Kinderarmut kennen gelernt.Uns persönlich hat es sehr gefallen und wir haben teilweise sehr aufschlussreiche Informationen erhalten.Das Schicksal der Kinder hat uns sehr berührt und uns ist klar geworden, wie gut es uns eigentlich geht und wissen dies nun viel mehr zu schätzen“(Miriam, Andreas, Malika)
„Durch das Projekt habe ich viel Neues erfahren. Was mich allerdings am meisten schockierte, waren die Lebensbedingungen bei ihnen zu Hause. Im ersten Moment wurde ich von einer Gefühlswelle aus Wut, Trauer und Enttäuschung überrollt. Entsetzt fragte ich mich: ,,Wie können Eltern ihre Kinder so schlecht behandeln bzw. vernachlässigen? Dass meine Eltern so etwas mit mir machten...- einfach unvorstellbar! Ich finde das nur traurig und hoffe, dass bald Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit und Armut in Deutschland ergriffen werden und dass Familien mit armen Kindern mehr unterstützt werden.
(Gabriele)
„Durch die Interviews mit den Experten haben wir ein viel besseres Bild über den Lebenszustand der Armen bekommen. Das was uns erzählt wurde, hat uns tief getroffen und wir hätten nie gedacht, dass es so viel Armut und Unterschiede zwischen den Menschen in Deutschland gibt. Auch das die Meisten, die von der Armut betroffen sind, so viel mit Drogen und Alkohol zu tun haben, hätten wir nicht erwartet. Die Projekte „Arm mitten in Dortmund“, unsere Erlebnisse bei der Dortmunder Tafel und die vielen Interviews, die wir geführt haben, haben uns erst ermöglicht, einen wirklichen Einblick in das Leben der armen Menschen zu bekommen.“
(Jascha)
„Es hat mich unglaublich berührt, auf welche Abstoßung die Menschen treffen, nur, weil sie arm sind. Durch das Projekt wurden mir allmählich die Augen geöffnet und einmal mehr weiß ich zu schätzen, wie gut es mir geht!“
(Svenja)

Der Religionskurs der Klassen 9c / 9d:
Hinten (von links nach rechts): Marcel Konze, Kevin Buchallik, Daniel Ehlert
Mitte: Gerwin Ginzel, Lara Schäffer, Andreas Täffler, Alina Kitt, Nina Jannasch, Jascha Teichmann, Falko Habersang, Stefan Hartwich
Vorne: Malika Elayachi, Vanessa Rudoff, Svenja Hünies, Patricia Malovana, Gabriele Primus, Maren Baumeister, Rebecca Schell