(Richard
von Weizsäcker)
Als wir, der Religionskurs
10a/b des Bert-Brecht-Gymnasiums in Dortmund Kirchlinde, uns zu Beginn dieses
Halbjahres auf die Themen verständigten, die wir bearbeiten wollten, entschieden
wir uns für das Thema: „Menschen am Rande der Gesellschaft“. Dies
interessierte uns besonders, da es ein sehr realitätsnahes Thema ist. Da in
diesem Jahr „das europäische Jahr der Menschen mit Behinderungen“ ist, war es
naheliegend sich mit der Situation dieser Menschen zu beschäftigen. Dabei
stießen wir auf einen Prospekt der Bundeszentrale für politische Bildung, in
welchem verschieden Aufgaben bzw. Projekte angeboten wurden, mit denen sich
Schülerinnen und Schüler auseinander setzen konnten. Ein Thema lautete: Es ist
normal, verschieden zu sein – Vom „Sorgenkind“ zum Menschen mit Behinderungen.
Also begannen wir im
Unterricht zu überlegen, ob wir überhaupt Menschen mit Behinderungen kennen
und ob diese sich vielleicht bereit erklären würden, uns etwas über ihre
Situation zu erzählen.
Es fiel und auf, dass wir
erstens nur sehr wenige behinderte Menschen kennen und wir gar nicht wissen, ob
diese bereit sind, über ihre Situation zu sprechen. Wir versuchten über das
Internet Informationen zur Situation von behinderten Menschen zu erlangen. Es
war kein Problem an allgemeine Infos zu kommen, z. B. zur Gesetzeslage bzw.
Kontakt zu großen Behindertenverbänden herzustellen.
Es gestaltete sich
allerdings schwieriger als zuerst gedacht, Informationen über Behinderteneinrichtungen
in Dortmund zu bekommen.
Zwei von uns stellten
Kontakt zu der Beauftragten der Stadt Dortmund für das europäische Jahr der
Menschen mit Behinderungen, Frau Christiane Vollmer, her. Darüber erhielten
wir folgende Informationen:
Situation von Menschen
mit Behinderungen in Dortmund (allgemein)
Zunächst
baten wir unsere Ansprechpartnerin um allgemeine Informationen zum Thema:
Menschen mit Behinderungen - hier die Fragen und Antworten:
Von
Behinderung spricht man, wenn körperliche Funktionen, geistige Fähigkeiten oder
seelische Gesundheit eingeschränkt sind und diese Einschränkung die Teilhabe am
alltäglichen Leben der Gesellschaft beeinträchtigt.
Grundsätzlich
ist es nicht erforderlich, dass ein bestimmter „Grad der Behinderung“
festgestellt und durch einen Ausweis bescheinigt wird. Allerdings gibt es auch
Ausnahmen. Nach dem Schwerbehindertenrecht, dass man im Sozialgesetzbuch
findet, erhalten die besonderen Hilfen grundsätzlich nur Schwerbehinderte
Menschen. Ausgedrückt wird die Schwere der Einschränkung in 10er Graden von
10-100.
Für Gehbehinderte und Gehörlose gibt es eine Wertmarke für ein Jahr im
Wert von 60 Euro und dann noch eine Wertmarke für ein halbes Jahr im Wert von
30 Euro. Damit können sie umsonst die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Für
„außergewöhnlich Gehbehinderte“ gilt das Gleiche. Für „hilflose“ Behinderte
oder Blinde gibt es eine Wertmarke für ein Jahr freies Bus- und Bahnfahren.
Es
gibt keine generelle Preisermäßigung für Behinderte beim Fliegen. Es liegt
allerdings in der alleinigen Entscheidung der Fluggesellschaft, ob es eine
Preisermäßigung für Behinderte gibt. Für Gehbehinderte und Gehörlose gibt es eine
Kfz-Steuerermäßigung von 50%, für „außergewöhnlich Gehbehinderte“ gibt es 100%
Kfz-Steuerermäßigung. Für „hilflose“ Behinderte oder Blinde gibt es 100%
Kfz-Steuerermäßigung.
Je
besser die Schulbildung desto besser die Berufs- und Lebenschancen. Behinderte
Kinder sollten möglichst mit nicht behinderten Altersgenossen in Kontakt
treten. Kann dies nicht ermöglicht werden gibt es Sonderschulen für: Geistig
Behinderte, verhaltensgestörte, körperbehinderte, sprachbehinderte, lernbehinderte,
gehörlose, schwerhörige, blinde, sehbehinderte Kinder und Jugendliche. Es sind
Halbtags- und Ganztagsschulen, teilweise mit Internatsunterbringung. In aller
Regel endet aber die Schulpflicht für behinderte Kinder und Jugendliche spätestens
mit dem 21. Lebensjahr.
Ob
ein behindertes Kind wirklich auf eine Sonderschule gehen sollte, entscheiden
die örtlichen Schulämter, indem sie ein pädagogisch-psychologisches Gutachten
nach Anhörung des Gesundheitsamtes und der Eltern erstellen.
In
Zusammenarbeit mit Schule, Elternhaus sowie den sozialen und therapeutischen
Diensten ist der Übergang oder die Rückkehr auf eine allgemeine Schule möglich.
Aufgrund
einer Behinderung darf kein Studienbewerber oder Student abgewiesen werden, es
sei denn er kann die benötigten Noten nicht vorweisen.
Teilnahme am gesellschaftlichen Leben:
§
4 des Bundesgleichstellungsgesetzes (BGG) fordert „ Benutzbarkeit ohne fremde
Hilfe“! Beispiel: Wahlautomaten sollen bis zur nächsten Wahl
behindertenfreundlich umgebaut werden.
Bereiche
in denen noch Barrieren bestehen: Bau und Verkehr, Kommunikation und
Information.
In
Dortmund gibt es zahlreiche Möglichkeiten für Behinderte Sport zu treiben:
Sport
für Blinde, für Gehörlose, Sport bei Erkrankung der Atemwege, bei Rheuma, für
Menschen mit geistiger Behinderung, Herzerkrankungen, für Menschen mit
körperlichen Behinderungen. (Wasser-)Gymnastik, Leichtathletik, Ballsport
(Sitzball, Goalball, Tischtennis, Fußball), Badminton, Basketball, Tanzen etc.
Nach
einer Studie lebten 1975 in der Bundesrepublik ca. 50 000 Behinderte im Elternhaus
oder bei nahen Angehörigen, 27 000 Behinderte in Wohnheimen, 17 000 in psychiatrischen
Kliniken und 10 000 in sonstigen Einrichtungen. Nach der 1990 durchgeführten
Umfrage lebt nach wie vor eine hohe Anzahl der Behinderten in stationären
Einrichtungen. Die Bundesregierung geht davon aus, dass 1995 etwa 142000 Behinderte
Menschen in rund 3000 Heimen oder anderen Einrichtungen der Behindertenhilfe
lebten. Der Bau von öffentlich geförderten Wohnungen für behinderte Menschen
wird in Form von Landesdarlehen gefördert. Während diese Darlehen sich bei der
Verabschiedung des Behindertenplanes im Jahre 1986 noch auf max. 20 000 DM
beliefen, können heute bis zu 30000 DM pro Wohnung bewilligt werden. Im Jahre
1998 wurden in Dortmund Fördermittel in Form von Baudarlehen zur Finanzierung
der Modernisierungskosten von insgesamt rund 100 000 Mio. bewilligt.

Nachdem wir uns im
Unterricht über die Situation von Behinderten theoretisch informiert hatten
(Internetrecherche, Kontakt zur Stadt Dortmund), wollten wir auf jeden Fall
auch praktisch in Kontakt mit Menschen mit Behinderungen treten.
Wir wollten Jugendliche
kennen lernen, die so alt sind wie wir und die mit einer Behinderung leben
müssen. Wir hatten nämlich festgestellt, dass wir kaum behinderte Kinder und
Jugendliche kennen, dass wir nicht wissen, wie deren Alltag aussieht und wie er
sich von unserem Alltag unterscheidet.
Durch unsere Lehrerin
stellten wir Kontakt zur Max-Wittmann-Schule für geistig Behinderte in
Dortmund her.
Im Vorfeld des Besuches
überlegten wir uns, was wir denn die Schülerinnen und Schüler dort fragen
wollen, wir merkten, dass es gar nicht so einfach ist, sich vorzustellen, wie
und worüber man sprechen kann. Wir stellte also eine Liste von Fragen zusammen
(s. Anhang) und bestimmten aus unseren Reihen Interviewer und Protokollanten.
Am Montag, den 24.11. fuhren wir also nach Dortmund Ewing, um die einzige
Dortmunder Schule für geistig Behinderte zu besuchen. Die Aufregung bei uns
und auch die Unsicherheit, wie diese Gespräche sich wohl gestalten würden, war
recht groß.
An der Schule angekommen,
wurden wir von Frau Voigt, der Lehrerin über den wir den Kontakt hergestellt
hatten, empfangen und gingen gemeinsam mit unseren Gesprächspartnern in den
Theaterraum, wo wir uns in einen großen Stuhlkreis setzten, um miteinander ins
Gespräch zu kommen. Unsere Gesprächspartner waren die Klassensprecherinnen und
Klassensprecher der Klassen der Mittel-, Ober- und Werkstufe der Schule, also
Jugendliche im Alter zwischen 12 und 18 Jahren. Diese bilden den Schülerrat der
Max-Witmann-Schule und sind gleichzeitig das SV-Gremium, welches Aktivitäten
von Schülern für Schüler an dieser Schule plant.
Natürlich waren auch die
Jugendlichen der anderen Schule aufgeregt, aber man kann wirklich nicht sagen,
wer nervöser war. Ein Teil unserer Gruppe ging mit einigen der Schüler und
einem Lehrer durch das Schulgebäude
Informationen zum Gebäude
und den Eindrücken!!
Als wir am Montag den 24.11.
an der Max-Wittmann-Schule ankamen, hatten wir zuerst einen großen Schulkomplex
vor uns, der von außen nicht besonders viel hermachte. Außerdem wurden gerade
Bauarbeiten an der Schule vorgenommen, die den eher negativen ersten Eindruck
noch verstärkten. Später erfuhren wir, dass das Gebäude PCB und nach
Feuerschutzrichtlinien saniert wird. Beim Gang zu dem Raum, in dem unser
Gespräch stattfinden sollte, stellten wir fest, dass die Flure sehr eng sind.
Doch bei der Führung durch
die Schule entdeckten wir vieles, was uns sehr beeindruckte. So gibt es
mehrere „Kuschelräume“, in denen die Schülerinnen und Schüler sich aufhalten
können, es gibt viele Möglichkeiten sich sportlich zu betätigen, viele Tischtennisplatten
und Aufenthaltsräume. In einem Speisesaal wird in zwei Schichten zu Mittag
gegessen, und es gibt viele Werkräume in denen die Kinder und Jugendlichen
arbeiten können. Ein kleines Schwimmbecken und eine Sporthalle komplettieren
die Einrichtung. Schon beim Ansehen des Gebäudes stellten wir fest, dass an
dieser Schule ganz anders gelernt wird, als bei uns, es gefiel uns, was wir
sahen. Die Schülerinnen und Schüler, die uns durch das Gebäude führten, waren
begeistert, uns ihre Schule zeigen zu können.
Während also ein Teil von
uns sich die Schule anschaute, kamen wir anderen ins Gespräch mit den
restlichen Schülern.
Wie bereits erwähnt, hatten
wir uns vor dem Besuch Fragen überlegt, die wir den Schülerinnen und Schülern
der Max-Wittmann-Schule stellen wollten. Frau Voigt hatte ihre Schüler im
Vorfeld gefragt, wer denn ein Interview mit einem von und führen wollte. So
setzten sich immer eine(r) von und ein Schüler/ eine Schülerin der anderen
Schule in die Mitte des Stuhlkreises um miteinander ein Gespräch zu führen.
Diese Situation war für alle
erst nicht so einfach, wir merkten, dass manche unserer Fragen nicht einfach
genug waren, aber mit der Zeit überwanden alle ihre Hemmungen und es kam zu
schönen Gesprächen, in die sich auch die Zuhörer einmischten. Im Folgenden
haben wir die Informationen zusammengestellt, die wir in den Interviews
bekommen haben:
Viele Schüler der Max
Wittmann Schule benötigen Hilfe von anderen Menschen.
Sie werden mit Schulbussen
zur Schule gebracht, da sie häufig keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen
können und die Anfahrt durch häufiges Umsteigen etc. problematisch ist. In den
Schulbussen fährt zur Sicherheit der Kinder immer ein Betreuer/eine Betreuerin
mit.
Der Schulweg ist für viele
recht lang. Bis zu vierzig Minuten dauert oft eine Anfahrt aus den
verschiedenen Vororten Dortmunds. Das bedeutet aber auch, dass die Schüler
schon um 7.20 Uhr an den Bushaltestellen stehen müssen, obwohl die Schule erst
um 8.30 Uhr beginnt.
Der Unterricht in der Schule
besteht aus lebenspraktischen Unterweisungen. Die Schüler lernen zum Beispiel
Kleidung zu waschen, zu bügeln oder sich die Schuhe zu binden.
Die ersten Schuljahre
verbringen die Kinder unter anderem damit, Buchstaben und Zahlen gründlich zu
lernen. Es geht darum, dass sie ihren eigenen Namen, wenn sie ihn geschrieben
sehen, wiedererkennen können In Leselehrgängen versuchen die Lehrer ihnen das
Lesen beizubringen, das erlernen
ungefähr 20% der Schüler.
Diese Wissensvermittlung ist
sehr aufwändig, daher bestehen die Klassen höchstens aus 12 Schülern. Bei
jüngeren Kindern oder Kindern mit schweren Behinderungen, sind die Klassen
häufig noch kleiner.
Um die Kinder nicht zu
überfördern sind die Pausen recht lang. Es gibt nach der 1. und 2. Stunde 30
Minuten Pause. Die Mittagspause ist nach der 4. Stunde und dauert anderthalb
Stunden. In dieser Zeit bekommen die Kinder ihr Mittagessen. Während der Pause
spielen die Schüler Fußball, Tischtennis, fahren Fahrrad oder beschäftigen
sich im Freizeitraum.

An der Schule gibt es 349
Schüler und 100 Lehrer.
Der Unterricht wird immer
von 2 Lehrern geleitet. In der Schule gibt es ein eigenes Schwimmbad und eine
Sporthalle. Die Kinder können werken. Sie haben Sportunterricht wie z. B.
Schwimmen. Sie erfahren, wie sie ihre Freizeit sinnvoll verbringen können.
Es gibt verschiedene
Arbeitsgemeinschaften wie Fahrrad-, Ton-, und Holzwerkstatt. Eine AG
beschäftigt sich mit Gärtnerei. Theateraufführungen und Tischtennisturniere
runden den Schulalltag ab. Es gibt auch eine schulinterne Zeitung. Einige
Schüler der Max-Wittmann-Schule machten Fotos um auch in dieser Schülerzeitung
über unseren Besuch berichten zu können.
Es werden auch
Klassenfahrten z. B. ins Sauerland unternommen, solche Unternehmungen sind
sehr aufwändig und personalintensiv . Sie benötigen viel Vorbereitung und
Planung.
Hausaufgaben gibt es an
dieser Schule nicht.
Wie überall verläuft das
Zusammenleben der Schüler auch dort nicht immer ganz reibungslos und ohne
Stress. Genaue Aussagen darüber wollten oder konnten die Schüler nicht machen
Es gibt wie an allen Schulen
eine Schülervertretung ,die sich regelmäßig zu Besprechungen trifft. Sie
bereitet aber auch Feste und Feiern vor, wie z.B. den Weihnachtsbasar (s.
Foto) oder eine Weihnachtsdisco.

Die meisten Schüler wollen
später in einer Behindertenwerkstatt arbeiten, da sie noch lebenslang Betreuung
brauchen eignen sich diese Arbeitsplätze am besten.
An die Max Wittmann Schule
ist auch eine Behindertenwerkstatt angeschlossen.
Einige Schüler haben aber
auch gewöhnliche Berufswünsche, wie z. B. Kindergärtnerin oder Pilot.
Viele Kinder möchten immer
bei ihren Eltern und Zuhause wohnen bleiben. Wahrscheinlich trauen sie sich
noch nicht ein selbständiges und eigenverantwortliches Leben zu. Auch eine WG
mit FreundInnen können sie sich im Moment nicht vorstellen.
Freizeit
Viele Kinder kommen aus
sozialschwachen Familien, die sich keinen Urlaub leisten können, deshalb
bleiben die meisten in den Ferien zuhause.
Ein Mädchen berichtete uns
aber , dass sie schon in Italien war. Ein anderes war schon mal in der Türkei.
Nach der Schule spielen die
Kinder häufig alleine oder mit ihren Geschwistern. Sie haben oft keine Freunde
in ihrer häuslichen Umgebung, kennen Freundschaft nur aus der Schule.
Viele gucken gerne Fernsehen
oder fahren Roller. Ein Großteil der Kinder verfügt auch über einen Gameboy
oder eine Playstation.
Zu Weihnachten oder zum
Geburtstag haben die Kinder ähnliche Wünsche wie wir (z. B. Gameboy, Discman).
Die meisten Schüler finden
andere Leute nett und haben im allgemeinen auch noch keine schlechten
Erfahrungen gemacht. Wir haben festgestellt, dass die Schüler viel unbelasteter
auf fremde Menschen zugehen. So freuten sie sich über unseren Besuch, fragten
nach Namen und Alter, gaben positive Kommentare über das gute Aussehen einiger
Mädchen aus unserem Kurs ab und waren eigentlich viel ungezwungener als wir.
Unser Gespräch mit den
Lehrern

In unserem Gespräch wurde
klar, dass die Lehrer an einer Behinderten-Schule eine ganz besondere Rolle für
die Schüler spielen. Sie sind nicht nur lehrende Person, sondern such
Ansprechpartner zu denen in gewisser Weise eine familiäre Bindung besteht. Das Verhältnis ist eher so, wie wir
es von der Grundschule kennen, dass man seine Lehrerin einfach erst einmal mag
und sie als wichtige Bezugsperson anerkennt. Die meisten Lehrer an dieser
Schule haben persönliche Erfahrungen im Umgang mit Behinderten (z.B. ein
Familienmitglied) und haben sich deswegen entschlossen, Sonderpädagogik zu
studieren. Sie wissen daher um die Wichtigkeit eines solchen Berufes. Das
Studium ist erst mal genauso wie ein Sek.I Lehramtsstudium, dann spezialisiert
man sich auf die verschiedenen Bereiche Körperbehinderung, Lernbehinderung,
geistige Behinderung, Schwerhörige oder Gehörlose, Sehbehinderte oder Blinde.
Die Lehrer dort bekommen das gleiche Gehalt wie z.B. an unserer Schule.
Die Lehrer begleiten eine
Klasse über mehrere Jahre, natürlich wird die Bindung dadurch enger, als bei
uns an der Schule. Sie führen Gespräche mit den Eltern, deren Mitarbeit häufig
nicht sehr intensiv ist, das liegt z.T. auch daran, dass die Schülerinnen und
Schüler aus ganz Dortmund kommen und der Weg zur Schule auch für die Eltern sehr
weit und aufwendig ist. Zum Elternsprechtag kommt aber ein Großteil der Eltern.
Frau Voigt erzählte uns, dass die meisten Kinder und Jugendlichen auch deshalb
gern zur Schule kommen, weil dort sehr viel mehr mit ihnen gemacht wird, als zu
Hause. Schule ist nicht langweilig, es gibt ständig etwas zu tun, die Schüler
werden in ganz unterschiedlichen Bereichen gefördert, sie treffen ihre
Freunde, was ja am Nachmittag so gut wie unmöglich ist.
Manchmal ist man als
Lehrerin an einer Schule für geistig Behinderte natürlich auch sehr viel
extremeren Situationen ausgesetzt als bei uns. Es kann bei einigen wenigen
Schülern auch schon einmal vorkommen, dass diese „total ausflippen“, dann
können auch Gegenstände durch die Klasse fliegen. Durch ihre Ausbildung können
die Lehrerinnen und Lehrer dort solche Eskalationen häufig schon im Vorfeld
erkennen und dagegen steuern. Da man als Lehrerin an einer solchen Schule auch
viel mehr über den häuslichen Hintergrund seiner Schüler erfährt, ist es
manchmal schwer, sich im Privatleben nicht auch noch immer mit den Problemen
der Schüler zu beschäftigen.
Persönlich finde ich, dass
dieser Besuch vielen SchülerInnen von uns einmal die Augen geöffnet hat, dass
nicht immer alles so perfekt ist, wie sie vielleicht denken. Auch konnte man
sehen, dass die Schülerinnen und Schüler der Max Wittmann Schule nicht daran
gewöhnt waren, dass so viele „normale Jugendliche“ Interesse an ihnen und ihren
Leben haben. Sie haben uns aber mit offenen Armen empfangen, so dass es gleich
möglich war mit ihnen ins Gespräch zu kommen.
Es war sehr interessant zu
erfahren, wie normal ihr Leben eigentlich ist und dass sie in einem vertrauten
Umfeld, also z.B. der Schule, viel offener über ihre Situation reden, als auf
offener Straße. Wir freuen uns auch schon darauf, dass wir die Jugendlichen
der Max-Wittmann-Schule Anfang nächsten Jahres bei uns zu Besuch haben werden.
Wir glauben, sie werden unsere Schule ziemlich langweilig finden, weil es für
sie sicher so aussieht, dass wir den ganzen Vormittag auf unseren Plätzen
sitzen müssen, um ganz viele verschieden Fächer zu lernen. Das Lebenspraktische
werden sie bei uns ja nicht so entdecken.
Die Schule an sich war von
außen eigentlich ziemlich heruntergekommen, doch die Innenausstattung war dafür
umso besser. Besonders gut gefiel mir das Angebot, dass man seine
ergotherapeutischen Maßnahmen auch innerhalb der Schulzeit durchführen lassen
konnte, da durch die lange Schulzeit (bis 15 Uhr) ein erheblicher Teil der
Freizeit in Anspruch genommen wird, wobei dies die meisten Jugendlichen nicht
wirklich zu interessieren scheint, da sie die meiste Zeit zu Hause sitzen, weil
sie entweder durch ihre körperliche Behinderung eingeschränkt sind, oder aber
von den Mitmenschen gemieden werden, da sie im Grunde ja doch einfach nur
Behinderte sind. Dies finde ich persönlich am traurigsten, da man, wie ich
finde, niemanden nach seinem Äußeren oder seinem geistigen Stand beurteilen
kann, der Charakter ist doch das, was eigentlich zählt!
(Christine Ramdorf)
