Von "Fake News" und Pfefferspray (*korrigiert)

Unsere Medienscouts waren am vergangenen Freitag in der Lokalzeit Dortmund zu sehen.

Hier berichteten sie über eine ihrer Aufgaben an unserer Schule, nämlich über Fake News aufzuklären. Die drei Schülerinnen haben zu diesem Anlass dem WDR ihren Workshop in der 7a gezeigt, in dem sie Schülerinnen und Schülern zeigen, wie sie Fake News erkennen und möglicherweise sogar entlarven  können. Den Fernsehbeitrag könnt noch bis zum 27.12. ihr hier ansehen (Meinung oder Tatsache: Was viele Schüler nicht unterscheiden können). Viel Spaß!

Apropos Fake News: Was war da los? Evakuierung des BBGs?

In diesem Schuljahr war bereits einiges los am Bert-Brecht-Gymnasium: Kurz nach den Ferien ging es mit unserer Mottowoche zum 50. Jubiläum in bester Feierlaune rund, die Festwoche wurde mit der legendären Lehrerrevue gekrönt und fand ihren Höhepunkt in dem abschließenden Schulfest unter dem Motto „Summer of `69“ und dem großen Ehemaligentreffen.

Positive Berichterstattung

Gern lasen wir im Anschluss in den Lokalnachrichten über unsere bunte Jubiläumswoche. Auch der neue Schulgarten, den die Internationale Klasse auf die Beine gestellt hat, das aufwändige Anti-Rassismus-Projekt, unsere Erfolge bei den Dortmunder Stadtmeisterschaften (gleich viermal Stadtsieger) und unser traditioneller Weihnachtsbasar mit seinem Erlös, den wir jedes Jahr gern an das Kinderdorf in Oberhausen spenden, sind Zeitungsberichte wert gewesen, auf die wir stolz sind.

Doch dann…  

Am 9. Dezember 2019 gab es plötzlich ein erhöhtes Medieninteresse, das uns weniger freute: „Pfefferspray in Gymnasium in Dortmund-Kirchlinde versprüht“, titelten die Ruhr Nachrichten und schaltete sogar einen Liveticker. Auch in Radiosendern war von „Evakuierung des Bert-Brecht-Gymnasiums“ zu hören.

Was war da los? Der Pfefferspray-Vorfall

„Mehr Schall als Rauch“, möchte man antworten. Morgens vor der ersten Stunde trafen sich ein Achtklässler und ein Neuntklässler vor dem Vertretungsplan auf dem Flur vor der Aula. Der Neuntklässler stellte überrascht fest, dass er noch das „Pfefferspray“ in seiner Jackentasche hatte, das er am Vortag einstecken sollte, denn er war noch spät allein unterwegs und die Eltern waren so etwas beruhigter. Nun aber zog er das vergessene Spray heraus, zeigte es dadurch seinem Freund, dieser schnappte es sich und imitierte „scherzhaft“ eine Abwehrsituation, kurz, bei einem Gerangel zwischen den beiden wurde ein Teil des Inhalts versprüht – bei einer Reichweite von 4 Metern, betraf es den gesamten Flurbereich.   

Die beiden Jungen bekamen einen Schreck und zugleich den größten Teil selbst ab, sodass sie zur Toilette eilten. Die umstehenden Schülerinnen und Schüler bemerkten ebenfalls schnell, den beißenden Gasgeruch. Auch der Hausmeister und die Sozialarbeiterin waren nicht weit entfernt. Um kein Risiko einzugehen, rief der Hausmeister unmittelbar die Feuerwehr an, um zu melden, dass es im Gebäude nach Gas rieche. Erst nachdem die Einsatzwagen unterwegs waren und die Notärzte vorsorglich alle Schülerinnen und Schüler, die Atembeschwerden wahrnahmen über die Funkanlage aus dem Unterricht baten, klärte sich auch für die Schulleitung die Situation, denn der 15-jährige Schüler kam dazu und erklärte den Vorfall. Die Konsequenzen muss er nun natürlich tragen, wie auch die Lokalpresse bereits berichtet hat.

Überraschend für die Lehrerinnen und Lehrer war hingegen, dass die Nachricht vom „Reizgas-Angriff“ sich derart schnell verbreitet hat. Auf Instagram posteten einige Fotos der Feuerwehrautos und formulierten ihre Panik, da sie nicht wussten, was überhaupt passiert ist. Eltern erfuhren über das Radio, dass das BBG evakuiert wurde und riefen ihre Kinder während des Unterrichts an, um zu erfahren, ob es dem Kind gut gehe.
Nicht nur die unklaren Nachrichten, die unsere Schülerschaft in Kürze verbreiteten, auch die Journalistinnen und Journalisten der klassischen Medien trugen zur Dramatisierung der Situation bei, da leider auch hier gilt, je dramatischer die Meldung, desto mehr Leserinnen und Leser werden angesprochen. In der Schule hatte sich leider keine der Bericht erstattenden Redaktionen darüber erkundigt, ob die Schule wirklich evakuiert wurde.

Pressearbeit ist keine einfache Aufgabe

Allerdings muss hier klargestellt werden, dass sich bereits vor 9 Uhr die Journalistin der Ruhr Nachrichten, Frau Dönnewald, mit unserer Schulleiterin Frau Schmidt-Strehlau telefonisch unterhalten hatte. Frau Schmidt-Strehlau hatte zu diesem Zeitpunkt jedoch offenbar selbst noch nicht den kompletten Überblick über die Situation.
Dieses Beispiel zeigt uns, dass Pressearbeit keine einfache Aufgabe ist, denn auch dieser Bericht musste nun noch einmal korrigiert werden. Unsere Erkenntnis: Wer die richtigen Fragen stellt, erhält die richtigen Antworten, aber woher weiß man, welche Fragen die richtigen sind?  

Stellungnahme der Ruhr Nachrichten:

"Wenn es einen Großeinsatz der Feuerwehr an einer Schule gibt, vermelden wir das online möglichst schnell. Und wenn uns die Feuerwehr als vertrauenswürdige Institution offiziell sagt, die Schule sei evakuiert worden, müssen wir das glauben. In 99 Prozent der Fälle liefert uns die Feuerwehr Informationen, die stimmen. Leider war das ausgerechnet in diesem Fall nicht so. Das ärgert die Feuerwehr und uns selbst am meisten."

Waren das denn nun Fake News?

Nein, denn hier wurde ja nicht absichtlich etwas Falsches verbreitet, dennoch lehrt uns der Vorfall neben der oben aufgeführten Erkenntnis, dass die Klickrate und die Medienkonkurrenz oft einflussreicher sind als aufwändiges Recherchieren, denn auch das gilt: Zeit ist Geld.